| Berlin
für Kenner, nix für Penner
Die Flying
Hoppers waren wieder auf Reisen! In den hohen Norden, genauer nach Berlin,
ging es für rund 20 Hoppers, die sich am 20. Juli am Flughafen in Kloten
einfanden. Schöner Anlass der Reise war eine Einladung von unseren
ehemaligen Freunden und Mitspielern Ruth und Torsten Keller-Carnap. Die
beiden waren vor einigen Jahren in ihre Heimatstadt zurückgekehrt, nicht
ohne uns ein paar Meistertitel sowie die Einladung für einen Besuch
zurückzulassen. Gesagt, getan: hier kamen wir also, in Vollbesetzung und
mit den besten Absichten.
Für einmal würde ein bischen Bildungsurlaub ja nicht schaden, sagten wir
uns, zumal Berlin die angesagte Kulturstadt des dieses Jahrtausends (kennen
wir das irgendwo her?) sein soll. Zudem war die Love-Parade auf just dieses
Datum umverlegt worden, sodass in der Deutschen Landeshauptstadt kaum
zuwenig los sein dürfte. Sport, Liebe und Kultur - ein gefährlicher Mix,
das war uns von Beginn an bewusst!
Es fing schon bereits gut an mit unserem Busfahrer, der mit seiner
"Berliner Schnauze" sehr zur Erheiterung beitrug als er von "rauseiternden
Flugzeugen" sprach und sonst noch so manchen Scherz auf der Fahrt
einzustreuen wusste. Nicht so sehr zum Vergnügen unserer Reiseleiterin,
welche Mühe hatte, sämtliche 25'000 Regierungs-, Geschichts- und
Kulturstätten auf der Stadtrundfahrt zeitig aufzuzählen. Gut, wir waren
also gewarnt: es würde anstrengend werden...
Anstrengend war es dann bereits beim Shopping. Das KaDeWe (Kaufhaus des
Westens) lockte neben zahlreichen anderen Konsumtempeln auf der
Einkaufsmeile 'Kudamm'. Schwerbeladen und vollgegessen gelang es uns nur
knapp, mit dem Bus der aufmarschierenden Demonstrantenschar zu entkommen
(die wohl gegen die steigende Zahl von Billig-Hockeytouristen demonstrieren
wollte).
Unsere Verlegenheit, als wir die Sportanlage der Zehlendorfer Wespen
betraten, können sich nur Eingeweihte vorstellen. Es war etwa so, wie wenn
man sein Leben in einer Mülltonne verbracht hat und plötzlich in seinem
Traumhaus sitzt. Geschmackvolles Clubhaus, Tennisplätze, Hallenbad,
moderner Kunstrasenplatz - all das in Kombination sieht man halt schon
selten. Der Scherz von der "wunderschönen Anlage" verstand von
uns daher irgendwie keiner richtig. Das Spiel gegen die motivierten Herren
endete denn auch mit einer Niederlage, doch wir waren halt immer noch von
der tollen Anlage beeindruckt. Klar, wurden wir anschliessend gebührend
verköstigt, das warme Buffet und das kühle Bier liessen nichts zu
wünschen übrig.
Am nächsten Tag sollte dann die Kulturreise beginnen: eine Bootsfahrt auf
der Spree zeigte uns Berlin einmal von einer ganz anderen, sprich von der
Wasserseite. Originell waren die eingestreuten Raver, die am Flussufer aus
ihren Zelten äugten und sich gegenseitig mit den Gettoblastern beschallten.
Die kontinuierliche Warnung des Schifführers ("Köpfe einziehen -
Brücke") liess derweil diejenigen aufhorchen, welche sich einen
mutigen Hoppers mit Beule erhofften. Doch auf der Spree fliegen also auch
die Flying Hoppers eher tief!
Am Nachmittag ging's dann mit Busfahrer Bernd nach Potsdam, zum Schloss von
Friedrich dem Grossen, Sans-Souci. Frau Sage, unsere Führerin, gab zuerst
einmal die Postordnung durch und zog uns dann noch Filzpantoffeln an. So
schlurften wir durch ehrwürdigen Gemächer und staunten darüber, dass die
Kaiser damals noch weniger Toiletten hatten als der HC Schönenwerd in
seinen Garderoben. Tröstlich... Trotzdem, abermals ein sehr schöner Besuch
und allemal die Reise wert!
Zu Abend war dann das Gastgeberteam an der Reihe: gegen die Kellers (Torsten
und Nationalspieler Andi) und ihren HC Berlin wurden alle Kräfte
freigesetzt. Selbst unsere englische Manndeckungs-Geheimwaffe Keith spielte
sich in neue Sphären, von denen er leider inzwischen zurückgekehrt ist.
Die Flying Hoppers gewannen immerhin verdient mit 5:3 und konnten beim
anschliessenden Bier mit stolzgeschwellter Brust herumlaufen. Leider ging's
schon bald zum Essen und statt der Brust wurde nun der Bauch immer voller.
Thailand, oh mein Thailand!
Am nächsten Tag war dann noch ein wenig freie Zeit zur eigenen Verfügung
vorgesehen, die mehr oder weniger im Bett, am Frühstückstisch oder beim
Shoppen verbracht wurde. Gegen Mittag ging es dann zum HC Marienburg, wo die
entkräfteten Hoppers lediglich ein 3:3 erreichten, was sie jedoch nicht
weiter störte. Mit Grilladen und Bier wurde der Abschluss der Tournee
hinausgezögert und ein langes, intensives
Geniess-Kultur-Sport-Party-Shopping-Weekend fand sein verdientes Ende.
Ansonsten war vieles altbekannt und wieder gerngesehen: Bruno's gelber
Koffer zottelte treu hinter seinem Herrchen her, Reinhard war mit seinen 4
Kameras allgegenwärtig, die Shirts wiegen in verschwitztem Zustand noch
immer eine halbe Tonne, Walter schwitzt in einer Halbzeit soviel wie andere
in 1 Stunde trinken und doch war etwas anders als sonst: nicht einmal wurde
gejasst! Kein einziges Mal! Nicht ein Dreiblatt wurde gewiesen, kein Match
erspielt, kein letzter Stich gemacht. Ist hier vielleicht der heilsame
Einfluss der zahlreich mitgereisten Ehefrauen/Freundinnen spürbar? Oder
ist's die Berliner Luft?
Uns allen hat die Reise wieder sehr viel Spass gemacht: besten Dank daher an
Torsten und Ruth sowie natürlich an die Organisatoren hier vor Ort. Berlin
bleibt uns als eine lebensfrohe und sympathische Stadt in Erinnerung, in die
wiederzukommen die meisten gedenken. Und dies erstaunt ganz und gar nicht,
waren doch unsere Abschiedsworte in Anlehnung an Kennedy's berühmte Worte:
"Ick bin ein Flying Berliner!"
Toni Haberthür |