Die Teilnehmer
Aus einer anfänglichen Liste von
über 80 potentiellen Teilnehmern kristallisiert sich mit der Zeit eine harter Kern von
acht Hockeyanern heraus, die das ganze Vorhaben vorantrieben und auch nach zahlreichen
Rückschlägen den Mut nicht verloren und an der Idee hartnäckig festhielten. Als sich am
1. November im Terminal B des Flughafen Kloten das Team von den Angehörigen
verabschiedete setzte sich das Flying Hoppers Team wie folgt zusammen:
Stefan Leuenberger, Präsident
Guido Steiner, Kassier
Sacha Overhoff, Reiseorganisation
Patrick Stutz, Finanzierurung
Retus Gieriet, Teambroschüre
Martin Graf, Mitgliederwesen
Felix Dietiker, Ältester Teilnehmer
Petra Flashar, Einzige Frau
Max Simmen, Torwart
Markus Ruckstuhl, Sportlicher Leiter
Reinhard Fischer, Fotograf
Marcel Steinegger, Pechvogel der Reise
Peter Marbach, Roppongi Tiger 1
Carlos Andermatt, Roppongi Tiger 2
René Schmidli, Torjäger
Walter Marthaler, Hongkong Guide
Im weiteren Verlauf des
Reiseberichtes wird auf die eigentümlichen Beschreibungen einzelner Exponenten noch
näher eingegangen, womit zugleich etwas mehr Transparenz in die verwirrenden und zum Teil
abenteuerlichen Geschichten rund um die Reise gebracht wird.
Tokyo
Der Flug mit der japanischen
Fluggesellschaft JAL brachte uns über Nacht in die 17. Mio Metropole von Japan, einer der
grössten und, dies schon vorweggenommen, eine der teuersten Städte des Globus. Auf jeden
Fall waren die vereinbarten SFr. 300.- Reisecash bereits am nächsten morgen bei fast
allen nicht mehr vorhanden. Dies hatte zwei Gründe: a) die erste Nacht in den
einschlägigen Nachtlokalen von Tokyo erforderte doch mehr Spieleinsatz als allgemein
angenommen werden konnte und b) Geld und Reiseticket gingen verloren. Letzteres traf auf
Peter Marbach zu, der seine erste Nacht bereits mit dem Verlust aller Reisechecks und des
Airline Tickets bezahlen musste. Es bestehen hartnäckige Gerüchte, dass der angebliche
Verlust (Diebstahl) nur ein vorgeschobener Grund waren und tatsächlich ein ganz anderen
Umstand zum Totalausfall von Cash und Ticket geführt haben. Als Peter Marbach auch am
zweiten Abend nicht vor den Morgenstunden im Hotel anzutreffen war erhielt er aufgrund
seines ausserordentlichen Durchhaltevermögen und ausgesprochen Gespür für Action
(Äkschen ausgesprochen) den Codenamen "Tiger"(Taiger ausgesprochen).
Wie dem auch sei brach bereits im
Verlaufe des Sonntages, notabene zwei Tage nach Ankunft, das grosse Spielfieber
mit"gib-mir-zweihund-franken-dann bekommst-du-den-Gegenwert-in-Yen" aus. Da aus
nicht erfindlichen Gründen die meisten Lokale sich auch partout nicht mit Kreditkarten
abfinden wollten musste nun schleunigst lokale Währung in grossen Mengen angeschafft
werden. Hier zahlte sich zum ersten mal die Übersicht und Coolnes eines international
erfahrenen Finanzhais aus. Retus Gieriet versorgte alle mit dem nötigen Kleingeld, wobei
er diese Funktion während der ganzen Reise nie mehr los wurde. Immer wieder waren
seltsame Verhandlungsszenen im oder vor dem Zimmer von Retus zu beobachten, die aufgrund
der wilden Gestiken der beteiligten Partner auf grosse Transaktionen schliessen liessen.
Mit vollen Börsen ging es am
Sonntag bereits zum ersten Spiel gegen eine Auswahlmannschaft des Yokohama Country and
Athletics Club (YCAC). Das Terrain dient nur in Ausnahmefällen zum Landhockeyspielen und
wird die meiste Zeit für Fussball und Rugby Begegnungen gebraucht. Diese Unterlage kam
natürlich den kunstrasenverwöhnten GC-ianern wenig entgegen und wir mussten uns redlich
abmühen bevor gegen die unterklassige Mannschaft ein 3:1 Sieg herausgespielt werden
konnte. Im Anschluss daran wurden wir im dem komfortablen Clubhaus zu einem kleinen
Umtrunk eingeladen. Dies war denn einigen Hoppers zu viel und sie mussten den
vorangegangenen nächtelangen Disco- und Barszenen Tribut zollen und schliefen kollektiv
in den geräumigen Liegestühlen ein. Carlos Andermatt, Rene Schmidli, Patrick Stutz und
Sacha Overhoff konnten ihre Müdigkeit nicht mehr verstecken und genossen die erste
Ruhepause auf der Reise für ihren ersten verdienten Schlaf.
Am Mittwoch den 6. November wurde
von Stefan ein ganz anderes Format einer Mannschaft angekündigt. Die auf dem dritten
Schlussrang plazierte Firmenmannschaft von Tokyo Gas stellt sich als die klar besser
Mannschaft heraus, die uns allen vor allem durch die Wendigkeit und Schnelligkeit
überlegen war. Nach kurzer Zeit musste Max zweimal ins Tor greifen um den Ball wieder in
der Mitte zum Anspiel freizugeben. Als ehemaliger Mitspieler spornte Stefan Kraft seines
Amtes als Präsident und oberster Repräsentant der Flying Hoppers (der einzige nicht
Japaner der je in einer japanischen Mannschaft mitspielen durfte) die Mannschaft an und
wir konnten auf 2:2 ausgleichen. Nur kurz vor Schluss mussten wird jedoch einen weiteren
Verlusttreffer hinnehmen, womit unsere einzige Niederlage während der gesamten Reise
Tatsache wurde. Bei traditionellem Sushi und Bier konnten die Japanisch/Schweizerischen
Kontakte vertieft werden, obwohl keiner von uns ausser Stefan und Shoko (seine Frau)
Japanisch verstand und keiner unserer liebenswürdigen Gastgeber auch nicht ein Wort
Englisch sprach. Überhaupt stellte sich die Sprache oder vielmehr die Schriftzeichen als
für uns nicht zu entziffernder Wald von Symbolen heraus, der uns mehr als einmal zu
Schaffen machte. Die selbst in Tokyo nur wenig in englischer Sprache angeschrieben ist
mussten wir uns mehrheitlich auf die Führungsfähigkeiten von Shoko verlassen, die uns
während des gesamten Aufenthaltes fast auf Schritt und Triff begleitete. Umso
erstaunlicher ist es denn auch, dass Marcel Steinegger und Peter Marbach bereits am
zweiten Tag selbständig vom Hotel (wo sie uns aus medizinisch/humanitären Gründen zu
dem vereinbarten Zeitpunkt 07:00 Uhr nicht zu treffen vermochten) quer durch die ganze
Stadt zu dem wenig bekannten Hockeyclub in Yokohama fanden. Eine feine Leistung!
Nozawa
Stellen sie sich vor sie fahren
rund 45 Minuten in einem Hochgeschwindigkeitszug 15 Meter hoch über dem Boden und alles
was sie sehen ist - Tokyo. Die Dimensionen und die Dichte der Gebäude ist so hoch, dass
selbst unser an das Limmattal gewöhnte Verständnis von Siedlungsdichte bei weitem
übertroffen wird. Mehr als dreimal mehr Menschen drängeln sich auf einer Fläche in der
Grösse von ZH und AG. Einfach unglaublich! Dann aber rasten wir in ein Tunnel und nach
zehn Minuten Dunkelheit befanden wir uns schlagartig und ohne Vorankündigung in einer
Gebirgslandschaft seltener Schönheit und Reinheit. Als nach dem Umsteigen im Bahnhof von
Yokozama in einen der vollgestopften Busse plötzlich zwei Schäflein von uns fehlten ging
erneut etwas Nervosität durch die Reihen. Markus Ruckstuhl und Rene Schmidli sahen wohl
mehr auf die weiblichen Schönheiten als sich auf die Gruppe zu konzentrieren und verloren
prompt den Anschluss. Eine wilde Suchaktion mit internationaler Beteiligung (ausser
Interpol, Scotland Yard und CIA) begann die erst am späten Abend durch das Eintreffen der
beiden Abtrünnigen beendet wurde. Wir waren alle froh wieder vollständig zu sein und
konnten nun das typisch japanische Nachtessen geniessen. Das anschliessende Foto zeigt das
Team in traditioneller japanischer Bekleidung
Hongkong
Am Freitag den 8. November hiess
es dann die Zelte (und ersten lockeren Beziehungen) abbrechen und auf nach Hongkong, die
Nochkolonie der Engländer. Am 1. Juli 1997 wird Hongkong definitiv an China übergeben
was zu einiger Unsicherheit in der Bevölkerung und Wirtschaftskreisen geführt hat. Von
diesen Rahmenpolitischen Gegebenheiten liessen wir uns jedoch nicht beeindrucken und
bezogen das neue Quartier zusammen mit Kuoni, Neckermann und TUI Reisegruppen im Hotel
Panda. In der Loppy trafen wir denn auf Walter Marthaler, der sich uns mit souveräner
Hand annahm und direkt zu seinem Club in der City von Hongkong führte. Inmitten einer
85'000 Zuschauer fassenden Pferderennbahn Arena, umgeben von Wolkenkratzern mit tausenden
von Lichtern, befanden sich mehrere ultramoderne Kunstrasenplätze. Wir kamen uns vor wie
in einer anderen Welt, denn an einem Ort wie Hongkong, an dem der Preis eines Stück
Bodens teurer ist als an der Bahnhofstrasse in Zürich, im Herz der Stadt Hockey spielen
zu können bedeutete einer der Höhepunkte der Reise. Der Gegner war von der Schlagkraft
unseres Teams schlicht überfordert und die sonst erfolgsgewohnten Engländer verloren
gegen ein Team aus dem Land der Berge und Kühe hoch mit 16:2. Dennoch wurden wir zu einem
oppulenten Barbequeue eingeladen und diverse Höflichkeiten wurden ausgetauscht. Mit von
der Partie waren auch drei neu zu uns gestossen Damen aus der Schweiz, die den die
Gelegenheit nutzten und einen Kurzurlaub zusammen mit uns verbrachten. Laurance Denot,
Simone und Christine Ammann sorgten für eine speziell angenehmes Ambiente in der Truppe.
Es folgten zwei Tage ohne feste
terminliche Verpflichtungen, so dass nun jeder nach seinen Präferenzen die Stadt
durchkemmen konnte. Einige beschränkten sich auf das Nachtleben und andere verschlug es
entweder auf den Hausberg von HK, denn Peak oder auf eine der vorgelagerten Inseln. Am
Montag 11.November hiess der Gegner nun Kowloon Cricket Club, der jedoch auch nichts
Gleichwertiges entgegenzusetzten hatten und ebenfalls mit 6:4 verlor. Es muss jedoch
angefügt werden dass wir uns selber im Vorfeld der Reise als saufende und dödelnde
Reisegruppe dargestellt haben und dabei verheimlichten, dass zwei aktuelle Nationalspieler
und nicht weniger als fünf Altinternationale mit von der Partie waren. Allen in tiefer
Erinnerung wird die Tschunkenfahrt sowie das Nachtessen in einem schwimmenden Restaurant
im Hafen von HK bleiben. Dies war denn auch zugleich der letzte gemeinsame Ausflug mit den
drei Damen, die noch am gleichen Abend den Heimflug antreten mussten. Für die Flying
Hoppers hiess es am nächsten Tag zum vorletzten mal Koffer packen und ab nach Singapore.
Singapore
Am meisten zu schaffen machte uns
allen die 30 Grad Wärme und die hohe Luftfeuchtigkeit. Vor allem im ersten Spiel gegen
den Singapore Dutch Club, das übrigens ebenfalls hoch mit 10:2 gewonnnen wurde, konnte
sich die Mannschaft so richtig entschlacken. Der Schweiss lief wie in Strömen und die
beiden Natikracks Patrick und Rene bekamen eine Vorahnung für die B-WM in Malaysia im
März des nächsten Jahres. Etwas zu viel Wasser verlor auch Marcel, der dadurch
wahrscheinlich zu viel an Kraft einbüsste und statt den Ball ins Tor zu schieben mit dem
Torhüter so unglücklich zusammenprallte, dass er das Schlüsselbein brach. Die sofort
eingeleitete medizinische Betreuung brachte ihn ins Spital wo er versorgt wurde. Noch am
gleichen Abend stiess Marcel etwas benommen noch wieder zu uns zurück und ertränkte sein
Unglück mit viel Bier. Im letzten Spiel gegen den wohl vornehmsten Club Singapore Cricket
Club (eine schwarze Liste beim Eingang bezeichnete all diejenigen, die ein Hausverbot
haben und keinen Einlass finden) befanden wir uns wieder im Herz der Stadt an absolut
bester Lage. Ein herrschaftliches Anwesen, das vom Gouverneur unter Denkmalschutz gestellt
wurde, bildete den Abschluss der Sportanlage, auf dem sich auch ein kleiner Hockeyplatz
befand. Obwohl der Gegner für die zweite Halbzeit das gesamte Team auswechselte und mit
besseren Spielern das Skore noch zu verbessern versuchte reichte es zum insgesamt fünften
Sieg in sechs Spielen. Ein spezieller Social Manager sorgte im Anschluss an die Begegnung
im Rahmen eines offerierten Nachtessen für viel Stimmung und erhielt viel Applaus von
allen Seiten.
Zusammenfassung
Es war ein eindrückliches und
für alle eine einmaliges Erlebnis. Die Organisation, die Spiele, die vielen kleinen
Geschichten machten aus einer normalen Gruppenreise einen persönlichen Meilenstein im
Leben jedes einzelnen. Wir alle werden noch lange an die vielen Eindrücke denken und
hoffentlich das positive Erlebte in unser Familien - und Vereinsumfeld einbringen.
Ausblick
Flying Hoppers wird gemäss den
Statuten auch nach der Reise nicht aufhören zu existieren. Der nächste Trip ist für
1999 geplant, wobei als mögliche Destination Südafrika genannt wird. Die laufenden
Daueraufträge auf das Konto laufen weiter so dass jedes Mitglied bis in drei Jahren die
Reise praktisch zu 100% bereits bezahlt hat. Wer sich dafür interessiert meldet sich
bitte bei Stefan Leuenberger, Zürichbergstrasse 75, 8044 Zürich oder bei einem der oben
aufgeführten Mitglieder.
Martin Graf |