Flying
Hoppers Reise nach Südamerika 28.10. - 12.11.2005
Reiseroute
Unsere
Reise hat uns diesmal in den südamerikanischen Kontinent nach Argentinien
und Chile geführt und sie hat uns tolle unvergessliche Erlebnisse, viele
neue Kontakte und schöne sportliche Erfolge gebracht. Buenos Aires liegt
am Rio de la Plata und verströmt im Frühling den noch frischen
Duft einer Weltmetropole. Ein Spiel der weltberühmten Mannschaft
der Boca Juniors und die Tangoshow im Club La Ventana haben wir uns natürlich
nicht entgehen lassen. Die atemberaubenden Wasserfälle des Iguazu an der
Grenze zu Brasilien und Paraguay haben wir uns von der argentinischen und
von der brasilianischen Seite zu Land, zu Wasser und aus der Luft
angesehen und uns vom Gischt der tosenden Wassermassen durchnässen
lassen. In der Andenprovinz Salta sind wir auf das alte koloniale Spanien
und auf die Spuren des einstigen Inkareiches gestossen und haben auf 4000
Metern über Meer die weiten steppen-
und wüstenartigen Ebenen des Altiplano befahren. Staunend und
nachdenklich haben wir diese Landschaft mit den einfachen Häusern und
Menschen, mit Salzseen und Alpaca-
und Lamaherden und im Hintergrund mächtigen Schneegebirgen an
uns vorbeiziehen lassen. Zum zweiten Teil der Reise hat uns ein spektakulärer
Flug über die Anden mit Blick auf den höchsten Berg Südamerikas – den
6960 Meter hohen Aconcagua – nach Santiago de Chile geführt. Hier haben
wir ein Land mit herrlicher Gebirgs- und Küstenlandschaft getroffen und
mit kultivierten Weingütern, in welchen ein ausgezeichneter und mit der
Carmener-Traube auch einzigartiger Wein angebaut
wird. Ausflüge nach Valparaiso und Vina del Mar haben uns die
ganze Kraft und Schönheit dieser wilden Ozeanküste vor Augen geführt.
Hockeyprogramm
Zusätzlich
zu diesem Reiseprogramm bestritten wir insgesamt 5 Hockeyspiele. In
allen besuchten Clubs – Lomas Athletic Club und Quilmes ( Buenos Aires
), Salta Popeye Club (
Salta ), Prince of Wales Club
und Manquehue ( Santiago de Chile ) – wurden wir gastfreundlich
empfangen und grosszügig mit Essen und Getränken bewirtet. Vorallem die
Anlagen der beiden Clubs in Chile – dem britischen Prince of Wales
Club und dem deutschen Manquehue Club – gehören zum Besten, was
uns auf unseren bisherigen Reisen begegnet ist.
Mit einem durch die sportliche Leistung gestärkten Selbstbewusstsein und
der Freude über eine gelungene Reise sind alle Teilnehmer wieder glücklich
und wohlbehalten nach hause zurückgekehrt.
Teilnehmer
Stefan
Leuenberger, Sacha Overhoff, Keith Balmer, Retus Gieriet, Lorenz Nöthiger,
Fedor Plambeck, Roland Tartaglia, Patrick Huber, Max Simmen, Reinhard
Fischer, Coen van Rosmalen,
Patrick Stutz, Bruno Schurter, Willy Arber, Irena Arber, Anita Brutschi,
Marion Oehninger, Vladina Lhotak.
Auszug
aus dem Tagebuch
Tag
1 : Anreise
Aerolineas Argentinas bringt uns via Madrid nach Buenos Aires. Ueber
dem Südatlantik beleuchtet die tiefliegende untergehenden Sonne
spektakulär die mächtigen Wolkentürme. Um 23 Uhr erblicken wir das
Lichtermeer von Buenos Aires und die Boing 747 setzt nach insgesamt 13
Stunden Flug auf dem südamerikanischen Kontinent auf.
Tag 2 : Hockeyspiel
im Lomas Athletic Club, Matchbesuch bei den Boca Juniors
Nach kurzem Schlaf und erster Stadterkundung fahren wir mit dem Bus
zum Lomas Athletic Club. Die Anlage liegt etwas ausserhalb von Buenos
Aires und hat neben einem schönen Clubhaus Plätze für Rugby, Tennis,
Hockey und Cricket. Lomas ist Seriensieger im argentinischen Damenhockey
und wird während unseres Aufenthaltes erneut argentinischer Meister. Das
Herrenteam, das gegen uns antritt, ist etwa gleichaltrig. Dank einer guten
zweiten Halbzeit gewinnen wir mit 8:2 Toren. Im Anschluss werden wir mit
Wein, Bier und Parrillada ( Grillsachen ) grosszügig bewirtet. Während
den Tischgesprächen mit unseren Gastgebern erhalten wir die ersten
Eindrücke über Land und Leute. Argentinien erholt sich nur langsam von
einer schweren wirtschaftlichen und politischen Krise, die
Arbeitslosigkeit liegt immer noch bei 20%, in den Strassen fallen die
Bettler und Homeless auf. Unsere Hockeyfreunde meinen, dass sie von den
eigenen Politikern nach wie vor nicht viel halten würden…
Wir
verabschieden und bedanken uns herzlich und eilen zum Abendspiel der Boca
Juniors zurück nach Buenos Aires, zum ehemaligen Club von Diego Armando
Maradona. Die Einheimischen warnen uns : zieht keine auffälligen Kleider
an, tragt keine Gürtel und keine Uhren, lasst die Portemonnaies im Hotel,
vermeidet Kritik am Heimclub und zeigt keine offene Sympathie für den
Gegner. Auf alle Fälle meidet den Sektor der heimischen Fans…
Selbstverständlich
kommen wir zeitlich knapp zum Stadion, nur die billigsten Tickets sind
noch erhältlich und wir landen im Hardcoresektor, Stehplätze, hinterste
Reihe, Mann an Mann mit Kampf um die Sicht auf das Spielfeld. Anhaltendes
Trommeln und Posaunen und Sprechchöre begleiten das ganze Spiel. Mut,
Kraft und Ueberlegenheit der eigenen Mannschaft werden besungen, die
Feigheit und Schwäche des Gegners verhöhnt. Aktionen des Gegners vor dem
Tor der eigenen Mannschaft werden von Schimpftiraden und Verwünschungen
begleitet, einzelne gegnerische Spieler in der Regel als Hurensöhne
tituliert. Als Boca Juniors ein Tor schiesst bricht ein Orkan los und die
Zuschauer sind nicht mehr zu halten, beim plötzlichen Gegentor
unmittelbar vor der Pause herrscht ungläubige perplexe Stille bis sich
die Masse wieder langsam in rhythmische Trance steigert. Mit einiger
Erleichterung nehmen wir den Siegestreffer der Bocas in der zweiten
Halbzeit zur Kenntnis, der Gegner ist alles andere als schlecht und hätte
gute Chancen zum Ausgleich gehabt. Das Verlassen des Stadions wird
hierdurch etwas entschärft, allerdings auch erst nach einer Stunde Warten
hinter verschlossenen Gittertüren und einer Leiberkette von Polizisten.
Schliesslich oeffnen sich die Tore und die Masse drängt sich durch die
Betonkorridore ins Freie. Nichts für Klaustrophobiker und Leute mit
schwacher Blase…Auch die nächtliche Heimkehr aus dem ehemaligen
Einwandererquartier La Boca ist für Damen alleine ohne Begleitung nicht
empfehlenswert.
Tag 3: Ausflug
ins Tigre Delta, argentinische Steaks
Ganztätiger Sonntagsausflug mit Bus und Boot ins Tigre Delta, dem
Erholungsgebiet der reichen Portenos ( Bewohner von Buenos Aires ). Auf
der Hinreise erleidet unser Bus einen Bruch der Antriebswelle, kein
Problem für unseren argentinischen Reiseleiter
Christian und seine charmante Frau Andrea. Weiterfahrt mit Taxis. Am
späten Nachmittag Besuch des lokalen Marktes, Einkauf von Ledergürteln,
billigen Schmuckstücken, Sportshirts. Nachtessen im Las Nazarenas mit
argentinischem Bier und Wein und Steaks von unglaublicher Grösse..
Tag 4: Buenos
Aires und seine Quartiere, Tango im La Ventana, Evita
Stadtrundfahrt in Buenos Aires bei Frühlingswetter. Grosszügige
Pärke, Avenidas, Plätze, Hafenanlagen. Berühmte Quartiere, San Telmo (
Tango ), La Boca, La Recoleta ( Friedhof der Berühmtheiten), Palermo
Viejo etc. Abends Tangoshow im bekannten Club La Ventana. Eine
professionelle Tanz – und Musikshow mit einer Mischung aus Eleganz,
Perfektion, Laszivität und Glamour der Halbwelt und selbstverständlich
der unsterblichen Evita Peron, non piangere piu Argentina …trotz
Touristenattraktion sehens- und erlebenswert !
Tag 5: the
flying „shoppers“, Hockeyspiel gegen Quilmes
Shopping in Buenos Aires. Unsere „Flying shoppers“ sind zufrieden,
die geschmackvollen Läden verführen zum Geldausgeben, Pesos und Dollares
wechseln die Hände. Beim Mittagessen im vornehmen Strassenrestaurant
werden wir von Müttern mit Kindern angebettelt, der Kellner lässt sie
gewähren. Vor den Strassenampeln werden bei Rotlicht von Jugendlichen
kleine Jonglierkünste dargeboten oder Einbeinige verkaufen Blumen, um
sich vor dem Wechsel auf
Grün etwas Kleingeld zu verschaffen, Not macht erfinderisch. Die Klassen
liegen weit auseinander, je nach Stadtquartier, die Autos im Vergleich zu
Europa doch etwas älter und meist auch zerbeult, einzelne Stücke
offensichtlich nur bedingt verkehrstauglich, der Verkehr trotzdem aber
horrend, laut, mit brüsken Richtungs- und Spurwechseln, jeder ein kleiner
Manuel Fangio…
Am
späten Abend steht unser zweites Spiel auf dem Programm, gegen Quilmes,
ein Club der ebenfalls etwas ausserhalb von Buenos Aires liegt und sich
gleich wie das argentinische Bier nennt. Wir
verlieren bei Flutlicht und feuchtschwangerer Luft 5 :2, es sollte unsere
einzige Niederlage während dieser Reise bleiben. Auch hier grosszügige
freundliche Bewirtung nach dem Match und bei lauten Tischreden werden
erneut viele neue Kontakte geknüpft. Intern lang anhaltende Diskussionen
darüber, wie die eigenen Kurzen Ecken abgelaufen werden sollen. Langsam
gewöhnen wir uns auch an den argentinischen Zeitrhythmus : Hockeyspiele
ab 21 h, Essen ab 23h, alles weitere bis zum Morgengrauen.
Tage 6-8 : Iguazu-
Nationalpark und Wasserfälle, Abstecher nach Brasilien
Wir verlassen Buenos Aires und fliegen nach Iguazu, zur Grenze mit
Brasilien und Paraguay.
Feuchttropisches
Klima und warme sternenklare Nächte erwarten uns. Wir sind in den
Subtropen und besuchen die Wasserfälle des Iguazu mit dem Regenwaldgebiet
des umgebenden Nationalparkes. In entspannter Atmosphäre des Luxushotels
Las Cataratas geniessen wir fernab einer Grossstadt drei ruhige Tage und
interessieren uns für das imposante Naturspektakel. Wir sehen uns die
Fälle von der brasilianischen und der argentinischen Seite an und finden,
dass sich dies auf jeden Fall lohnt. Wir lassen uns in kleinen Wagen durch
den Urwald chauffieren und folgen staunend den Ausführungen unseres
versierten brasilianischen Reiseleiters über die verschiedenen Pflanzen
und Gebräuche der Indianer. Ab und zu lachen wir über seine
Indianerwitze, in denen – wen wunderts – die Indianer meistens die
Dummen sind…Unvergesslich bleibt die Fahrt mit dem Powerschlauchboot auf
dem Fluss direkt zwischen die tosenden Wasser – und Gischtmassen und als
Höhepunkt der halbstündige Helikopterflug. Die Mutigsten lassen sich
schliesslich gar von Baumriese zu Baumriese im Stile Tarzans gleiten und
durch einen Wasserfall abseilen. Endlich wissen wir auch was Nasenbären
sind. Es sind dies ganz ausserordentlich possierliche und schlaue Tiere.
Dia 9-11 : Salta und die Andenregion, auf den Spuren der Inkas, Hockeyspiel gegen
eine Regionalauswahl, Empanadas und Ecetera
Mit Salta und Jujuy besuchen wir die beiden nördlichen Andenprovinzen
Argentiniens an der Grenze zu Bolivien und Chile. Begleitet werden wir von
nun an vom Präsidenten des argentinischen Cricketclubs, Ricardo Lord,
genannt „ Don Pedro „.Seine Orts- und Sprachkenntnisse und
gesellschaftlichen Verbindungen sollen helfen, uns vor Schwierigkeiten im
unbekannten Gebiet zu bewahren. Der Unterschied zu Buenos Aires könnte
nicht grösser sein. Wir begegnen einem völlig andern Menschenschlag und
einer andern Kultur. Die Stadt Salta liegt in einem fruchtbaren Hochtal
auf 1200 m.ü.M. und beeindruckt durch den Reiz der alten spanischen
Kolonialbauten, der Kathedralen, der Kopfsteinpflasterstrassen und der
zentralen Piazza, auf der sich abends das soziale Leben abspielt.
Absolutes Highlight sind auch die zahlreichen guten Restaurants, Cafès,
Bars und Diskotheken, in denen am Freitag- und Samstagabend die Post
abgeht. Ecetera, ecetera….., dies der Name des nach Mitternacht zu
besuchenden Lokals, und vorgängig die Casa Güemes, in der wir beim
Nachtessen von Musikanten aus der Andenregion unterhalten werden. Wir
fühlen uns in Südamerika angekommen und geniessen die Fülle der
Eindrücke in vollen Zügen. Salta ist berühmt für seine Küche, für
seine Empanadas, seine Eintöpfe, seine Feldfrüchte. Unsere Ankunft wird
in der Tageszeitung angekündigt, mit Namensliste und Altersangaben.
Das Spiel gegen eine Auswahl aus der Provinz findet im
sympathischen Popey Basebal Club statt. Zum Nachtspiel tritt eine Auswahl
von starken Spielern gegen uns an, Coca-Blätter werden gekaut. Die
gegnerische Mannschaft setzt uns stark unter Druck. Schliesslich macht die
Klasse unserer stärksten Spieler und ein spektakuläres Schlusstor von
Patrick Stutz den kleinen Unterschied aus, das Spiel endet 6:4. Der
Ausklang im Clubhaus ist eine unserer herzlichsten Begegnungen während
dieser Reise, obwohl das Englische hier nicht mehr so einfach über die
Lippen kommt und unserer Spanischkenntnisse relativ bescheiden sind.
Trickots und Sportmützen werden ausgetauscht und Adressen wechseln die
Hände, obwohl eine Reise nach Europa doch eher Traum bleiben wird, wohl
darum umso schöner.
Der
folgende Tag bringt uns einen weiteren Höhepunkt unserer Reise. In einem
14 stündigen Tagesausflug mit dem Bus folgen wir dem berühmten Tren a
las Nubes ( Zug zu den Wolken ) durch die Quebrada del Toro ( Schlucht des
Stieres ) in den Altiplano, das wüstenartige Hochplateau der Andenregion.
Auf 4000 M.ü.M. treffen wir auf jene weiten ebenen Landschaften mit den
Schneebergen am Horizont, wie wir sie aus Filmen und Reisebüchern kennen.
Aride, kakteenbestandene Steinwüsten wechseln mit steppenartigen
Flächen, auf denen Lama- und
Alpacaherden trockene Gräser
und Sträucher fressen. Die Gesichter der Menschen sind indianisch und
trotz blauem Himmel und Sonne tragen alle warme Kleider gegen die Kälte
und den scharfen Wind. Ausgelassenheit trifft man selten, dazu bieten
Klima und Leben in diesem Teil der Welt wenig Gelegenheit. Was hat wohl
die Inkas dazu bewogen, ihr Reich in diese Regionen auszudehnen und
systemtisch mit Fusspfaden zu erschliessen ? Und was hat sie wohl dazu
gebracht, auf den höchsten Spitzen der Andenberge ihre Kinder den
Göttern zu opfern ? Schliesslich erreichen wir an der Grenze zu Chile das
Gebiet der riesigen Salzseen, in denen bis zum heutigen Tag Salz
produziert und abgebaut wird. Beim Besuch der Salinen bläst uns in
dünner Luft ein steifer Wind um die Ohren und wir sind froh, wieder in
den Bus einsteigen zu können. Abschluss der Exkursion bildet die
Rückreise durch die polychromen Gesteine der Quebrada Humahuaca ins
pittoreske altspanische Purmamarca. Was für ein Tag !
Tag 12-15 : Flug über die Anden nach Santiago de Chile, Hockeyspiele im Prince of
Wales und im Manquehue Club, De Martino Weingut, Valparaiso, Vina del
Mar
Spektakulärer Flug über die Anden mit Blick auf den Aconcagua, den
höchsten Berg Südamerikas ( knapp 7000 m hoch ). Landung in Santiago bei
28 Grad und schönstem Wetter. Herrliche Gebirgs- und Küstenlandschaften
am Südpazifik, gepflegte Weingüter in den warmen Tälern der
Cordillieren. Eines davon, das Gut der Familie de Martino, besuchen wir
auf Empfehlung von Retus Gieriet. Sein Arbeitgeber, die Zweifel AG, ist
Generalimporteur dieser Weine für die Schweiz. Alle bekannten
Traubensorten - als Spezialität die Carmener-Traube, welche angeblich nur
hier in Chile wachsen könne – werden hier angebaut! 95% der Produktion
sind für den Export bestimmt und einen kleinen Teil davon dürfen wir in
herrlicher Umgebung bei einem gepflegten Lunch degustieren. Und wie gut es
sich trifft, dass Retus ausgerechnet heute seinen 45. Geburtstag feiern
kann. Wir gratulieren ihm herzlichst und schenken ihm – sicher auch zur
Freude seiner Ehefrau- einen erdfarbenen Poncho. Sollte demnächst in
Zürich und Umgebung ein als Wanderprediger verkleideter Mitvierziger sein
Unwesen treiben, es könnte durchaus Retus sein…
Einen
ganzen Tag reservieren wir uns für einen Ausflug zur Pazifikküste.
Valparaiso war vor der Eröffnung des Panamakanales wichtigster Hafen für
die Schiffe auf ihrem Weg rund um den südamerikanischen Kontinent. Heute
hat es an Bedeutung verloren, ist aber wegen seiner charaktervollen
Altstadt Weltkulturerbe der Unesco. In Vina del Mar wähnt man sich in einem mondänen Badeort
der französichen Mittelmeerküste. Einzig die Seelöwen, welche sich auf
den vorgelagerten Felsen durch die wärmende Sonne vom kalten
Humboldtstrom erholen, passen nicht ins Bild. Zum Baden ist das Wasser
hier für uns viel zu kalt und die hereinbrechenden Wellen sind vor allem
für die Surfer geeignet.
Chile
ist augenfällig besser organisiert als Argentinien und steht
wirtschaftlich recht gut da, vielleicht auch wegen des starken Einflusses der
Immigranten, nicht zuletzt der Deutschen. Der deutsche Manquehue Club in
Santiago de Chile ist auch Mittelpunkt des chilenischen Hockeys. Zusammen
mit dem britischen Prince of Wales Club gehört er zu den besten Clubanlagen, denen wir während unseren Auslandreisen begegnet sind. Herrliche
stilvolle Clubhäuser stehen inmitten gepflegter weitläufiger Plätze
für Golf, Tennis, Hockey, Rugby, Fussball. Beide Clubs besitzen eigene
Fitnesszentren und grosse Swimmingpools und alles umrahmt von prächtigen
schneebedeckten Andengipfel im dunstigen Horizont. Manquehue stellt die
stärkste gegnerische Mannschaft auf dieser Reise dar, mit einigen
ehemaligen chilenischen Nationalspielern. Die Mehrheit der Spieler spricht
deutsch - Bedingung für die Aufnahme in den Club – und stammt aus
Familien, die in dritter und vierter Generation hier in Chile leben. Man
besucht deutsche Schulen oder die Schweizer Schule in Chile und
unmittelbar neben dem Sportplatz steht die renommierte deutsche Klinik,
die nebenbei das Hockeystadion mit dem absolut neusten Kunstrasen
finanziert!! Auch hier bestreiten wir ein Nachtspiel mit Beginn um 21h,
und es wird unsere beste Leistung in Südamerika. Was im Spiel zwei Tage
zuvor im britischen Club zunächst nach einem Spaziergang unserers Teams
aussah und schliesslich noch mit einem mühevollen knappen Sieg endete
scheint sich gegen den Manquehue Club in umgekehrter Weise zu entwickeln.
Schon in der ersten Minute schlägt eine Kurze Ecke knallhart im Tor von
Max Simmen ein und die zweite landet wenig später in der rechten oberen
Torecke. Als es endlich gelingt, dem scheinbar übermächtigen Gegner
einigermassen spielerisch Paroli zu bieten und wir gar den
Anschlusstreffer erzielen können, schlägt kurz vor der Halbzeit eine vom
Schusskreisrand geschossene argentinische Rückhand wie eine Granate in
die lange Ecke unseres Gehäuses. Wir klatschen respektvoll Beifall und
verziehen uns zur Lagebesprechung in die Pause. Was dann in der zweiten
Hälfte folgt, lässt sich schwierig in Worte fassen. Unsere Zuschauer
können zum Schluss jedenfalls nur noch den Hut ziehen : Chapeau ! Wie ein
Feuer, das entzündet wird, geht plötzlich ein Ruck durch die ganze
Mannschaft. Noch nie habe ich dieses Team mit soviel Kampfstärke und
Moral spielen gesehen, auch nicht im Final der World Master Games 2002 in
Melbourne. Der Zweikampf wird
gesucht, kein Ball verloren gegeben und das sicher verloren geglaubte
Spiel wird gedreht, der Ausgleich erzielt und das Siegestor geschossen.
Wer die deutsche Mentalität kennt, weiss, dass dies nicht als
Gastgeschenk gedacht war und die Gegenwehr zu einer etwas ruppigeren
Gangart führte. Umso erfreulicher dann doch der
versöhnlich-freundschaftliche Ausklang beim spätmitternächtlichen
Abschiedsbarbeque zusammen mit unseren chilenisch-deutschen Gastgebern.
Abschluss der Reise :
Eine 24 stündige Reise bringt uns von Santiago de Chile über Buenos
Aires nach Madrid und Zürich. Die wenigen Stunden Aufenthalt in Madrid
nutzen wir zu einem letzten kulinarischen Ausflug ins Zentrum der
spanischen Kultur und einstigen kolonialen Grossmacht. Tempi passati…
Willy
Arber |