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Was
lange währt, wird endlich lang
Packen!
Wisst Ihr, was packen für ein Reisegreenhorn, um nicht zu sagen
Reisemuffel, bedeutet? Ihr könnt es nicht wissen und würdet es
auch nicht wollen. Immerhin war die olympische Reise ein Crash-Kurs
mit folgenden Schwerpunktthemen:
„packen,
auspacken (je 6x) mit anwachsendem Gepäck“,
„das
sinnvolle Handgepäck“,
„wir packen für einen Tagesausflug mit Übernachtung“.
Die
meisten Teilnehmer hatten nach sechs Mal packen/auspacken alles im
Griff, doch es ist bekannt geworden, dass das Reisegreenhorn von
ihrer Gefährtin beim zweiten Eintreffen in Singapur mittels
Intensivkurs (erst im dritten – endlich schimmelfreien - Zimmer
hat Greeny gerafft, wie’s geht) auf ihr ganzes weiteres Reiseleben
vorbereitet wurde.
Die
Frage nach sinnvollem Handgepäck wurde trotz eingehender
Diskussionen (es lebe der Genitiv!) nicht restlos geklärt – es
gab die Varianten 10 x 15 x 5 bis hin zu den
Copy-Samsonite-Verfechtern.
Mit dem
dritten Thema wollten sich einige Teilnehmer gar nicht
auseinandersetzen (dafür war’s ihnen zu früh!) und nahmen
kurzerhand alles mit, was sie hatten. Selbstverständlich bekamen
diese Teilnehmer kein Kurszertifikat.
Das
Thema Handgepäck war umso brisanter, als an Shanghais Flughafen
Pudong[1]
(ja, jetzt sind wir halt dort schon angekommen; oder soll ich euch
wirklich noch erzählen, dass ausgerechnet Greenys Screen falsch
eingestellt war und sie sich eine halbe Stunde lang zierte, das
Flugpersonal um Hilfe zu bitten, da sie dachte, das
Nichtfunktionieren hätte direkt mit ihrer Reiseunerfahrenheit zu
tun) ein Koffer fehlte. RWWené hatte das Glück mal wieder
herausgefordert und, wie schon auf einer Privat-Reise nach New York,
Pech gehabt, was Sacha -
beim Umsteigehalt in Singapur zur Gruppe gestossen – zur durchaus
verständlichen Bemerkung veranlasste, dass auch RWW lernen müsse
zu verlieren. Jedenfalls hatte RWWené sein Handgepäck nicht
optimal gepackt, musste auf Schlabbershirts von Sacha zurückgreifen
und war nicht bereit, ein Paar Tausendfüssler zu kaufen, um den
ersten Match mit uns zu bestreiten.
Chronologisch
weiter:
So,
17.08.08
Häppchen
aus Kultur, Sightseeing, Shopping:
Mattia
kauft sich einen Gurt (muss wichtig sein, sonst stünde es nicht in
den Notizen). Kopiuatsch, Kopibäg[2],
Schuschein (könnt Ihr kein Chinesisch?) von allen Seiten an der
Shopping-Meile Nanjing Road. Dank Starbuck’s anständiger Kaffee
zu heimelig sündhaften Preisen.
Match
gegen Shanghai
Hockey Club:
Intensives
Warmlaufen bis zur abgelegensten U-Bahnstation[3] organisiert von WasabiWerhätserfundeWalter.
Beim Aussteigen aus der U-Bahn werden zwei gegnerische Hockeyspieler
gesichtet - WWW behauptet, er habe den glücklichen Zufall
organisiert… - sie leiten uns per Taxi zum schönen Kunstrasen.
Das Spiel gegen die vorwiegend holländisch, deutsch und englisch
sprechenden Gegner entfaltet sich hervorragend zwischen Sacha und
Stef; der Rest der Mannschaft ist nachsichtig und lässt die zwei
ihre Entzugserscheinungen kompensieren. Noch zwei andere können sich
in Szene setzen, Carlos mit seinen Ladehemmungen vor dem Tor und
Lene als best & fairest – später umbenannt in most valuable
player (MVP) – des Spiels (ihre Reaktion: „Hää? Isch das de
Frauebonus?“)
Essen
und Shanghai by night:
DIM
SUM-Welcome-Dinner gesponsort von WWW und Jennifer. Merci vielmal!
Wer wissen will, wie man in einem voll besetzten Restaurant für 14
Leute Plätze bekommt, wende sich an WWW. Basis ist, zu behaupten,
man habe reserviert aber nicht zu verraten, dass sich die
reservierten Plätze in einem Restaurant in einem anderen
Stadtviertel befinden.
Wer
im Disco-Fieber der beginnenden 80er Jahre aufgewachsen ist, kommt
kaum mehr davon los; daher auf ins Baby-Face, ein früher mal äusserst
angesagter und auch heute noch bestens frequentierter Schuppen mit
zwei unterschiedlich beschallten Tanzbühnen. Der harte Alkohol wird
gleich flaschenweise geordert, das Personal (pro zwei Gäste ein
Angestellter oder so) ist, wo nötig, sofort zur Stelle mit Eimer
und Putzlappen; wegen so ein bisschen kotzen oder schlafen muss doch
niemand an die frische Luft befördert werden. Dennoch: Etwas überwacht
kommt man sich schon vor.
Mo,
18.08.08
Häppchen
aus Kultur, Sightseeing, Shopping:
Der
freie Tag bildet erneut diverse IGs mit unterschiedlichen Zielen.
Einige nutzen die Zeit für eine Flussfahrt auf der Brühe Huang Pu;
die Menge und Verschiedenheit der Wolkenkratzer wird bewundert –
da sieht einer aus wie ein Flaschenöffner (das 2008 eröffnete
Shanghai World Financial Center), dort der andere mit Krone, rostige
alte Passagierkähne sind zu Wohnungen umgenutzt. Das Wasser zur Körperreinigung
wird direkt aus dem vermutlich fischlosen Fluss mit Eimern
hochgezogen. Es ist nicht leicht, sich vorzustellen, dass praktisch
alles, was man an Gebäuden auf der Ostseite des Flusses sieht bis
hinaus zum Flughafen Pudong, nach 1990 gebaut worden ist und dass
dort davor Reisfelder bewirtschaftet worden sein sollen.
Wir
Europäer lernen schnell von den Chinesen: ein Nickerchen kann man
sich überall – besonders aber auf einem tuckernden Boot –
leisten. Wenn noch beim Eingang gedrängelt und gerempelt wird und
die Europäer wieder mal düpiert sind, weht dann im Innern des zum
Bund retour fahrenden Buses den älteren europäischen Semestern
eine Welle des Mitleids entgegen und Sitzplätze werden für sie
freigemacht.
Mit
Taxis transferiert man ins alte Nanshi-Quartier und geniesst hier
die traditionelle Architektur. Während man sich am Vortag durch das
andauernde Kopiuatsch, Kopibäg etwas belästigt fühlte, herrscht
hier – inspiriert durch Olympia? – ein ganz anderer Geist. Überall
weisen aufmerksame Chinesen die Touristen auf die Gefahren durch
Taschendiebe hin mit freundlichen Rufen „uatschbäg“. Sehr
freundlich! Nach einer traditionellen Shanghaier Nudelsuppe mit
gekochtem Ei
in einem chinesischen Fastfoodlokal steht der Gang durch den im 16.
Jhd. angelegten Yu-Garten an. Dort kommt zum ersten Mal die Frage
auf, ob die ohrenbetäubenden Geräusche aus der Luft wirklich von
Grillen, Zikaden oder ähnlichem Getier stammen können oder ob es
ein uns unbekanntes Motorengeräusch sei. Inspiriert durch eine
Romanszene, in der beim Betreten der Bungalowanlage Froschgequake
vom Band gespielt wird, beschliesst man, dass das nervtötende
Gezirpe ebenfalls ab Band laufen muss. Die Geschirrausstellungen
begeistern in unterschiedlichem Masse, und die Füsse werden langsam
müde auf den dauernd wechselnden Steinmüsterchen am Boden. Der
Ausgang liegt direkt beim einen Ende der Zickzackbrücke, „nützt’s
nüüt, so schat’s nüüt“ geht man darüber und hat die bösen
Geister vertrieben. Es ist Zeit zurückzukehren ins Hotel, da man
das gemeinsame Essen im Vale-Club nicht verpassen möchte.
Match:
keiner
Essen
und Shanghai by night:
Essen,
wie gesagt, im Vale-Club. Nicht alle finden das Restaurant auf
Anhieb, doch am Schluss fehlt niemand, und WWWs Geschäftsfreund Tim
bestellt allerlei Leckeres auf die Drehtafeln. Bei so vielen
verschiedenen Spezialitäten muss es für jeden was dabei haben und
local Tim wird für seine hervorragende Bestellarbeit, wie am
Vorabend bereits der, erst im falschen aber eigentlich richtigen
Lokal wartende, andere Geschäftsfreund George, mit einem FH-Shirt
reich belohnt.
Sintflutartige
Regenfälle treiben die Grossgruppe auseinander und unorganisiert in
die Flucht. Wer „zufällig“ miteinander im Taxi sitzt, zieht
miteinander weiter. Die einen werden feucht, die anderen fröhlich.
Sacha darf gemeinsam mit zwei Alibi-Frauen seiner heimlichen
Leidenschaft und ersehnten Abwechslung zum Bier frönen, dem Schlürfen
von B52s. Als dann, um den Abend abzurunden, fast zufällig Jaap
hinzustösst, ist die Herrlichkeit vorbei und es muss, zwar in
angenehmer Gesellschaft, aber im Paulaner, wieder Bier her.
Di,
19.08.08
Häppchen
aus Kultur, Sightseeing, Shopping:
Wer
nicht ausschlafen muss nach einer langen Nacht, der bummelt noch
einmal durch die Stadt, traversiert den Fluss durch den Tunnel,
erkundet das neue Pudong-Gebiet oder sucht den Schreck und
Nervenkitzel auf einem Markt, wo alles mögliche Getier tot oder
nach dem Motto „je länger lebendig, desto frischer“ feilgeboten
wird.
Die
beiden zweieiigen Zwillinge haben das Glück, mit der überaus
sympathischen local Jiang-Jie unterwegs sein zu dürfen, welche sie
zu einem Silktailor, ins Teehaus und zur entspannenden Fussmassage
mitnimmt. Dieses Wohlfühlprogramm ist die optimale Vorbereitung auf
den bevorstehenden abendlichen
Match
gegen Shanghai Hockey Club:
Das
Rückspiel gegen den Shanghai Hockey Club kann mit zwei neuen
Spielern gestartet werden. Zum einen ist Max, der schon eine Weile
mit Familie in Beijing residiert, für dieses wichtige Spiel nach
Shanghai gejettet, zum anderen kann RWWené jetzt, wo sein Koffer
endlich angekommen ist, auch mitspielen. Der Gegner beantragt schon
vor dem Spiel, dass keine Schüsse hoch aufs Tor geschossen werden
sollen, was von den Teamleadern der Flying Hoppers mit Verwunderung
quittiert aber akzeptiert wird. In der Konsequenz sind die Schlenzbälle
bei der kurzen Ecke plötzlich tabu, doch trotz einiger Mühen
werden andere Mittel und Wege gefunden, um den gegnerischen Torhüter
fünfmal zu bezwingen. Leichte Abstimmungsschwierigkeiten im
Spielaufbau und einige Schnitzer in der eigenen Abwehr führen
allerdings auch zu zwei Gegentreffern. MVP wird im zweiten Spiel
Coen (seine Reaktion: „Wie bitte? Ich habe doch überhaupt nichts
gemacht?!“).
Essen
und Shanghai by night:
Die
Gegner laden uns in „ihr Pub“ O’Malleys ein zu Bier, Fritten
und Gesprächen. Einige FHs verlassen den Schauplatz zu vernünftiger
Zeit, um das bevorstehende frühe Aufstehen abzufedern. Wer mehr
Details zu den nächtlichen Ausflügen benötigt, wende sich an
unseren Night Life-Experten Coen.
Mi,
20.08.08
Häppchen
aus Kultur, Sightseeing, Shopping:
Keine
Dramen bis Beijing abgesehen davon, dass die Raucherin, der
Fasnacht+Hockey-Raucher und die nicht vom Rauchen Beherrschte,
sondern das Rauchen Beherrschende insgesamt 6 Feuerzeuge den
Chinesen überlassen müssen. Greeny fragt sich ausserdem, wo der
Knopf versteckt sein könnte, mit welchem man den gewählten Film
individuell beginnen kann. Sachas unverhohlen geäussertem Ärger
nach der Ankunft darüber, dass er nur die halben Filme gesehen
habe, entnimmt sie, dass es diesen Knopf wohl gar nicht gegeben hat.
Schon
im Bus vom Flughafen zum Hotel wird klar, dass es die IG Sport und
die IG Kultur geben würde. Vor allem die, die Beijing schon kennen,
werden sich wohl etliche Hockeyspiele 'reinziehen, während die
anderen unbedingt an die grosse Mauer wollen.
Das
Rainbow Hotel in Beijing weist eine prächtige Eingangshalle auf,
die Zimmer sind dann etwas bescheidener, dafür gedeiht im feuchten
Badezimmer der Schimmelpilz prächtig. Individuelles Akklimatisieren
ist angesagt, die besonders Kulturhungrigen machen sich sogleich auf
zum Himmelstempel. Als wir uns in der Halle treffen, um mit dem Bus
zum Hockeyplatz zu fahren, stossen Lieke und Evi zu uns. Lieke legt
sich mächtig ins Zeug und organisiert einen Bus, der die IG Mauer
am nächsten Tag dorthin befördern würde.
Match
gegen
Beijing HC:
Ein
Bus bringt uns zum Hockeygelände, unterwegs lesen wir noch einige
Gegner auf. Voraussetzungen zum Spiel: Es zirpen Zikaden äusserst
lautstark (ab Band?). Die Tore sind weniger hoch als üblich. Die
Flutlichtmasten sind auch kurz, was einen extremen Schattenwurf
bewirkt. Der Gegner tritt mit Überziehern an. Der Gegner tritt ohne
Torhüter an. Aus diesem Grund beantragt das Team aus Beijing, ohne
kurze Ecke zu spielen. Was sollte man dazu sagen…? Es ent- oder
besser verwickelt sich ein zeitweilig unnötig hektisches (Max,
Reinhard) Spiel, das gar in Insubordination (RWWené, Marion) gegenüber
dem Coach Roli gipfelt. Das Unorthodoxe des Spiels zeigt sich auch
darin, dass WWW, der sonst die gegnerische Hälfte nie betritt, ein
Assist zu einem Tor mit einem Einschlag jenseits der Viertellinie
verzeichnet. Zum MVP schafft er es damit allerdings nicht; mit zwei
Toren aus diesem Spiel wird Mattia der Titel verliehen (seine
Reaktion: „Nach em erschte Gool hanis eifach nomal welä wüsse…!“).
Das Nachspiel: FH muss für das magere Flutlicht cash abliefern. Während
die Damen duschen, fängt der Wachmann an, an die Baracke zu
klopfen, wohl um zu signalisieren, dass sie sich beeilen sollen. Der
Abstand des Geklopfes und die Intensität steigert sich unaufhaltsam
und als die Ladies 3 Minuten und 31einhalb Sekunden später vor der
Tür stehen, blicken sie in ein wutentbranntes chinesisches
Wachmannsgesicht.
Essen und Beijing by night:
Gemeinsam
mit dem Gegner von Beijing HC fährt man zum Essen ins südafrikanische
Restaurant Vinotage, wo einige erleichtert mit Gabel und Messer an
Steaks und Hamburgern herumsäbeln. Die Mitglieder der IG Mauer sind
mehrheitlich froh, ein wenig Schlaf zu finden, während die IG Sport
vermutlich noch den einen oder anderen Schlummi nötig hat. Für
entsprechende weitere Informationen ist Coen der richtige
Ansprechpartner.
Do,
21.08.08
Häppchen
aus Kultur, Sightseeing, Shopping:
Die
IG Mauer (Andy, Carlos, Lene, Marion, Reinhard, Mattia, Löre, RWWené,
Patrick H. und Diana) wird um 7 Uhr vom Charterbus abgeholt und düst
bei düsteren Wetteraussichten los. Die morgendliche Fahrt wird mit
Andys Olympiaquiz kurzweilig gestaltet. Obwohl einiges Wissen über
die Geschichte der Olympischen Spiele vorhanden ist, ist Andy etwas
enttäuscht, dass wir Pierre de Coubertin
nicht auswendig zitieren können. In Mutianyu angekommen hat sich
die Wetterlage nicht verbessert. An den Souvenirständen werden noch
einige Copy-Knirpse gekauft, bevor wir den Berg hinauf gondeln.
Tapfer wandern wir los von Turm zu Turm, unentwegt wird
fotografiert. Trotz oder gerade wegen des Regens und der
Nebelschwaden erahnt man die Grossartigkeit dieses Trutzbollwerks:
All die Arbeiter, welche zu diesem über 6000 km langen Wurm
beigetragen haben, durften sich wohl auch nicht nur bei Sonnenschein
zur Arbeit melden…oder wie es RWWené etwas pragmatischer
darstellt: „So geht es all den Japanern bei uns, die nur einen Tag
Zeit haben für das Jungfraujoch, und dann im Nebel versuchen, die
Aussicht zu erahnen!“ Wirklich ein Jammer ist jedoch, dass wegen
des schlechten Wetters die Rodelbahn geschlossen ist! Wir gondeln
wieder nach unten und laufen Spiessruten zwischen den Ständen
hindurch, zwischen welchen mittlerweile Plastikplachen
„gespannt“ sind, die sich zwischendurch mit und ohne Nachhilfe
auf die Köpfe unachtsamer Touristen entleeren. Wir retten uns erst
zu heissem Kaffee, dann zum Bus, um die Rückfahrt nach Beijing
anzutreten und fragen uns, wie nass unsere IG Sport bei ihren
Olympia-Aktivitäten geworden ist.
Beim
Nachmittagsprogramm in Beijings Strassen wird dann endlich klar,
warum die Chinesen wörtlich übersetzt nicht einfach „komm, lass
und über die Strasse gehen!“ sagen, sondern „komm, lass uns
unser Leben aufs Spiel setzen!“
Match:
keiner
Essen
und Beijing by night:
Das
individuelle Nachmittagsprogramm hat zur Folge, dass das Abendessen
wiederum in neu zusammengewürfelten Gruppen über die Bühne geht,
sofern dafür überhaupt Zeit ist (Löre und Mattia ergattern sich
last minute Tickets für Leichtathletik). Besonders interessant wird
es im Lokal, wenn die Speisekarte und sämtliches Personal nur
chinesisch spricht, eine Sprache die bei uns nicht jeder fliessend
spricht. Reinhard bemüht sich zwar, doch der IT-Spezialist
scheitert bereits beim Jasmintee. In der Folge kommen Speisen auf
den Drehteller, die man denkt nicht bestellt zu haben, wiederum
anderes muss man mit Hand und Fuss nachbestellen. Nach einer
Verzweiflungsgeste des Kochs steht die Pekingente zuletzt doch
nicely sliced auf dem Tisch. Die wunderbar knusprige Haut wird
zusammen mit Frühlingszwiebel- und Gurkenstreifen in den weissen
Pfannkuchen praktiziert, der zuvor mit Sauce bestrichen wurde, Päckli
machen und ineschoppe. Als alle schon mehr als satt sind, wird als
krönender Abschluss das Fleisch der Ente knusprig gebraten
serviert, nicht sehr ansehnlich zwar aber, Lene greift mutig zu, es
schmeckt äusserst lecker – gut gesalzen aber nicht „räss“.
Auf die Knochensuppe verzichten wir definitiv,
dafür machen wir noch Erinnerungsfotos mit Kellnerinnen und dem
mittlerweile versöhnten Koch. Ein Absacker in einer benachbarten
Karaoke-Bar – wir singen selbstverständlich nicht – rundet den
kulinarischen Abend ab. Die IG Sport muss sich derweil u. a.
im Hollandhaus vergnügt haben, wie wir später erfahren. Für
Night Life-Szenetipps darf ich Euch daher mit grossem Vergnügen an
Coen verweisen.
Fr,
22. 08.08
Häppchen
aus Kultur, Sightseeing, Shopping:
Wer
noch nicht in der Verbotenen Stadt war, wird sich heute diesem Teil
chinesischer Geschichte widmen. Auf die olympischen Spiele hin mit
grossem Aufwand renoviert präsentiert sich der erst seit 1924 dem
Volke zugängliche gigantische Kaiserpalast in neuem Glanze den
Touristenscharen. Der exorbitante Platz vor dem Palast der höchsten
Harmonie lässt uns endlich begreifen, dass tatsächlich bei
verriegelten Toren ein ganzes Heer niedergemetzelt werden könnte,
wie wir ein Jahr zuvor im Spielfilm „The Curse Of The Golden
Flower“ gesehen hatten. Dennoch: Es ist hart, wenn man sich
vornimmt, alle 9999½ Räume zu besichtigen und nach drei Sunden
feststellen muss, dass man nur einen Bruchteil davon gesehen und das
nur, weil nicht alle zugänglich sind (da kommt man extra von so
weit her und erlebt so etwas…)! Nachdem Lene und Greeny dann von
einem Chinesen zu Schwestern erklärt werden, weil sie sich so
frappierend ähnlich sähen und wir ihm sagen müssen, dass auch er
für uns tausende von Brüdern haben müsse und wir zu guter Letzt
noch die Glückshubbel am Südtor berühren, wenden wir uns wieder
der Gegenwart zu und fahren mit U-Bahn und Taxi zum von Carlos und
Andy bereits viel gerühmten Hong Qiao-Markt.
Etwas
geschult durch das Theater zwischen Jiang-Jie und der Seidenverkäuferin
in Shanghai, wissen wir, dass man beim Feilschen nicht allzu sehr darauf
achten sollte, wenn die chinesischen Verkäufer beinahe anfangen zu
weinen. Sie bekommen für die Sachen, die wir anpeilen, von uns
immer noch mehr als von Chinesen und wir bezahlen immer noch wenig
genug. Die Zeit rennt uns davon, sodass wir den Konsumtempel
verlassen und ein Taxi herbeiwinken, das uns in die Nähe des
olympischen Hockeygeländes bringen soll. Unsere Sorge, wegen der
rush hour zu spät zu den heiss ersehnten Finalspielen der Damen zu
kommen, erweist sich bald als unbegründet. Unser Taxifahrer –
sanft am Steuer, hart an der Hupe – kennt weder Stau noch
Stosszeit und bringt uns in Windeseile und zu scheuen 50 RMB (andere
bezahlen gemäss Selbstauskünften das Doppelte) genau so weit, wie
er überhaupt darf. Wir setzen ihm ein Denkmal! Während die
Unternehmerin Wang Jianrui wohl noch immer zugange ist, Liu Zhihua,
den Beamten, in Naturalien dafür zu bezahlen, dass sie das
Hockeystadion bauen durfte,
widmen wir uns dem kleinen Finale zwischen Deutschland und
Argentinien und dem Endspiel zwischen China und Holland.
Der FH-Captain Patrick St. ist mittlerweile angekommen und stösst
zur Gruppe. Die Plätze hinter dem Tor mit Maschendrahtzaun vor der
Nase werden nicht von allen gleichermassen geschätzt. Man ist sich
dennoch bewusst, etwas Exklusives zu erleben: Olympia! Die
berauschenden Tempoläufe dieser Athletinnen, die Greeny auf drei
Meter zwei davon abnehmen würden, falls Greeny überhaupt zum
Starten käme, sind unglaublich. Die Schlangen vor den Bier- und
Wasserständen sind es ebenfalls; trotz Horden von Helfern geht’s
sehr schleppend vorwärts, aber im Gegensatz zur kürzlich in der
Schweiz und Oesterreich ausgetragenen Fussball-EM sind die Preise äusserst
moderat. Nach der endlos scheinenden Medaillenzeremonie wollen sich
die meisten FHs im Hollandhaus treffen; einige hatten ja bereits am
Vortag mit den Heimwehholländern ihr Abendprogramm dort absolviert.
Überraschung: Nur Holländer sind zugelassen; Diskriminierung am
eigenen Leib zu erleben, ist eine wertvolle Erfahrung – weder
Presseausweis noch oranges Shirt reichen für eine Zulassung. Nur
mit holländischem Pass (zum Beispiel Max mit Evis!) oder wenn man
sich am Vortag genug eingeschleimt hat und eine Spezialbewilligung
hat, darf man an der Feier der Olympiasiegerinnen teilnehmen. Es sei
diesen Sterblichen gegönnt, etwas von der Glorie zu verspüren,
welche von, sie in mancher Hinsicht überragenden, Hockey-Göttinnen
verströmt wird. Wer wissen will, wie sich das anfühlt, wende sich
an unseren Experten Coen.
Nachgereicht:
Match: keiner, Essen und
Beijing by night: fallen aus wegen aktueller
Olympia-Berichterstattung
Sa,
23.08.08
Vorgereicht:
Match: keiner, Essen und
Beijing by night: fallen aus wegen aktueller
Olympia-Berichterstattung
Häppchen
aus Kultur, Sightseeing, Shopping:
Wir
treffen uns zum Lunch bzw. Frühstück im Xiangmanlou Beijing Duck
Roast Restaurant. Nicht alle können kommen. Mattia hat sich mit
Lieke zum Shoppen verabredet und die Basler sind schon zum dritten
Mal im Hong Qiao Markt.
Das Pekingenten-Zeremoniell ist weiter oben bereits beschrieben
worden. Etwas befremdlich ist allerdings, dass uns zwar die
Entenhaut mit Omeletten etc. und die Entenköpfe fein säuberlich
serviert werden, das Entenfleischgericht sowie die Suppe allerdings
vorenthalten bleiben. Ein Chinese würde sich das jedenfalls nicht
gefallen lassen! Beim Mittagessen werden Pläne für den Nachmittag
geschmiedet. Eine Gruppe Heimweh-Schweizer besichtigt das Swiss
House und freut sich auf Schoggi,
Käse, Berge-Stimmung und Mountainbike-Rudelgucken. Anderen ist nach
Entspannung zumute und lassen sich von Chinesinnen eine Fussmassage
verpassen. Die Frottiletten, die Patrick H. dargeboten bekommt,
passen genau über seinen grossen Zeh und seine Masseurin wird von
den anderen ausgelacht, weil sie vor einer heraklischen Arbeit
sitzt. Heute gehen wir jedenfalls keinen Schritt mehr zu Fuss, wir
schweben nur noch; man könnte sich daran gewöhnen!
Schon
ist es Zeit, wieder zum Hockeystadion zu pilgern, die
Herren-Finalspiele stehen auf dem Programm, und wir haben
ausgezeichnete Plätze auf den Seitentribünen in Aussicht. Es können
keine schlechten Plätze sein, wenn zwei Reihen dahinter Bernhard
Peters, der Ex-Coach von Deutschland, mit uns gemeinsam die Spiele
verfolgt. Welche Überraschung: Nach etwa zehn Minuten führt im
kleinen Finale Australien bereits mit 2 zu 1 Toren gegen Holland und
bevor die letzten FHs Platz nehmen, steht es schon 3 zu 1. Ein verrücktes
Spiel, dessen Tore uns – auch wenn einige von uns im orangen Shirt
gekleidet sind – in helle Aufregung versetzen. Die holländische
Familie vor uns möchte mit ausserordentlicher Konzentration und
Telepathie das Spiel noch wenden und bittet uns daher energisch um
Ruhe. Ja, ja Hockey ist halt näher beim Tennis als beim Fussball!
Die Situation eskaliert beinahe, doch die Holländer geben nach und
verziehen sich im zweiten Spiel auf Plätze im offiziellen
Ruhe-Sektor (analoge Einrichtung zum Ruhe-Wagen der SBB). Das Spiel
der Deutschen gegen die Spanier ist nach dem ereignisreichen kleinen
Finale ein veritabler Gähner, geprägt von Taktiererei. Nun gut,
die Deutschen machen’s mit der einen kurzen Ecke klar. Während am
Ende einige der FHs richtig müde gespielt sind und das Stadion noch
während des zeremoniellen Teils verlassen, um vor dem very early
wake-up call um 5 Uhr noch eine Mütze Schlaf zu geniessen,
versammeln sich andere wiederum im Hollandhaus…
So,
24.08.08
Häppchen
aus Kultur, Sightseeing, Shopping:
…und
treten zur Busfahrt zum weltweit grössten Terminal (3) mehr oder
weniger direkt an. Jetzt heisst es Abschied nehmen: WWW zweigt hier
ab nach Japan, ein herber Verlust! Der Flug nach Singapur verläuft
ähnlich wie die bisherigen Flüge. Wir sind auch immer frühzeitig
informiert, wenn Turbulenzen zu erwarten sind, denn jeweils kurz vor
der offiziellen Durchsage macht sich Turbulene auf den Gang zur
Toilette.
Nach
dem Einchecken im Hotel Landmark gehen wir durch den Monsun nicht
ganz bis hinter die Welt auch nicht bis ans Ende der Zeit, denn uns
ist es egal, wenn noch Regen fällt: Wir sind nämlich optimal
ausgerüstet mit chinesischen Copy-Knirpsen, deren Gestänge zwar
schon zu rosten beginnt, aber bis zur Long Bar im Raffles reicht’s
auf alle Fälle; ansonsten stehen in Singapur überall
Schirmautomaten herum, etwa unseren Snackautomaten zu vergleichen.
Die Erdnüsslischalensauerei auf dem Boden in der Long Bar bringt
ein Derartiges nicht gewohntes schweizerisches Sauberkeitsgemüt
schon in Wallung, Patrick H. nennt solche Menschen Bünzlis, doch
sein Versuch zu beweisen, wie weltgewandt lässig er sei, scheitert
kläglich, als er mit dem Nüsslischalenwurf über die Schulter
beinahe die Kellnerin abschiesst. Die einen bestellen etwas
vermutlich Obergäriges im Half Yard Glas, die anderen lassen sich
auf Drinks ein, wobei der Singapore Sling
sowie der Raffles Revelry nicht fehlen dürfen.
Match:
keiner
Essen
und Singapore by night:
Roli
übernimmt nun definitiv die Führung, zählt uns in Taxis ab und
beordert diese zum UDMC Sea Food Center, wo es nicht nur Sea Food gäbe,
aber nur Sea Food bestellt wird, sodass einige mehr oder weniger auf
Reisdiät gesetzt sind. Andere knacken virtuos an den Chili und
Pepper Crabs herum, Nordseeküstler (oder so) Reinhard nimmt die
Fische auseinander, und schluchz-leider muss dann Sacha, unser
Hockeystratege, gehen. Der Vorteil daran: Es wird im von Roli
kurzerhand gebuchten Minibus nicht noch enger als es eh schon ist
auf der Fahrt zurück in die Stadt. Die Jungs finden sich extrem gut
unterhalten mit dem Ausschnitt aus einem Livekonzert der Pussycat
Dolls – da zeigt sich mal wieder, was Werbung taugt: Wir Frauen
kaufen unsere Schuhe längst auch bei D. und doch werden wir nie so
von Männeraugen verschlungen wie diese Ladies. Am Boatquai führt
Roli uns dann in seine ehemalige Stammkneipe „Harry’s“, von wo
aus die Ex-Singapürler Stef und Roli nostalgische Blicke auf ihre
ehemalige Arbeitsstätte werfen können.
Zu guter Letzt treibt es die TänzerInnen noch ins von einer
beachtlichen Band bespielte Insomnia – nomen est omen!
Mo,
25.08.08
Häppchen
aus Kultur, Sightseeing, Shopping:
Eine
lange Nacht fordert ihren Tribut: Nur wenige Nimmermüde nehmen sich
die Orchard Road mit ihren unendlichen Einkaufsmöglichkeiten vor,
suchen irgendwo nach Affen oder testen ihre Tauglichkeit auf Fahrpläne
und fahren mit dem Überlandbus zum Mandai Orchid Garden.
Der Perfektionist Roli unternimmt derweil eine Expedition zum von
ihm für das Abendessen vorgesehenen Restaurant, nachdem er
telefonisch niemanden erreicht hatte. Ein kluger Schachzug, erweist
sich doch der vermeintliche Inder als neue Baustelle des stets
prosperierenden Singapur.
Match:
keiner
Essen
und Singapore by night:
Rolis
nächste Treffpunktvorgabe ist das No. 5, Emerald Hill
(U-Bahnstation Somerset), wo wir gemütlich unser Bier und Cola
trinken, unser Panaché panaschieren und den Tag Revue passieren
lassen. Roli führt uns dann ins Maharaja am Boatquai, bestellt
allerlei Scharfes und weniger Scharfes und niemand beschwert sich hörbar
darüber, dass es nichts zu schälen, nichts zu chopen und nichts zu
sticken gibt. Der herrliche Abend wird verlängert mit einem
Spaziergang ins loof, einer fantastischen Chillout-Bar in looftiger
Höhe. Da ein Detailbericht der Fortsetzung des Abends den Rahmen
des bereits unüblich üppigen Reiseberichts definitiv sprengen würde,
muss hier ausnahmsweise auf mündliche Berichterstattung verwiesen
werden, Coen wäre da bestimmt ein kundiger Fachmann.
Di,
26.08.08
Häppchen
aus Kultur, Sightseeing, Shopping:
Heute
ist wieder ein Tag für Frühaufsteher. Wir fahren mit dem
Komfortbus nach Malacca. Während draussen die Palmölplantagen
vorbeifliegen, werden wir derzeitigen Parforceflieger drinnen mit
dem interessanten Katastrophenfilm „snakes on a plane“ bestens
unterhalten. Nach Bezug der Zimmer im Equatorial Hotel in Malacca
mit Aussicht auf hockeyspielende Kinder einerseits und exerzierende
Schüler andrerseits vor dem Sultanplast als Hintergrund, wandern
die Kulturfanatiker ziemlich stracks zu dessen Besichtigung, während
andere sich durch die besten Doughnuts mampfen, die sie je gegessen
haben.
Match:
Kaum
auf dem Hockeyplatz angekommen, der IG-Mauer-Teil der Mannschaft in
frisch gewaschenen Shirts (RWWs Tenuewaschjob ist ein Knochenjob,
ehrlich!), drängt uns der Gegner, das Spiel zu starten. Hier stehen
wir nicht irgendwelchen Expats gegenüber, boah, das sind
respekteinflössende Malaysier. Der Spielverlauf zeigt dann bald,
dass der Gegner uns vielleicht nicht ganz so ernst genommen hat –
dass drei Ladies bei den FHs auflaufen, wird anfänglich mit
herablassendem Erstaunen quittiert – wie er hätte sollen. Bald
wirbeln Stef, RWWené und Konsorten in des Gegners Schusskreis herum
und die Stürmer von
Malacca müssen zu unfairen Mitteln greifen, um vor der
FH-Verteidigung an den Ball zu kommen. Der malaysische Schiri lässt
zwar einiges an Härte
zu, doch auf theatralische Gesten, wie Stock fallen lassen und
jammern, fällt er nicht herein. Das Spiel endet mit 6 zu 2 für die
FHs. Zum MVP wird diesmal RWWené gewählt (ob und wie er seine Wahl
kommentiert hat, entzieht sich meiner Kenntnis).
Essen
und Malacca by night:
Hier
und heute können die einen es sich nicht entgehen lassen,
indonesisch zu essen und sie treffen es wirklich gut: Sie schaffen
es erneut, dass für jeden Geschmack etwas auf den Tisch kommt:
Telur Dadar (Omelette), verschieden zubereitete Ayam- (Huhn), Udang-
(Krabben), Ikan- (Fisch) Gerichte und zum Schluss wieder einige Früchte.
Nach dem Essen treffen wir uns mit unserem Gegner im „Malacca
Club“. Eingelassen wird dort von den Männern nur, wer Kragen und
lange Hosen trägt. Löre bezieht vom Clubportier ein Leihhemd (vgl.
Picture Gallery) doch Patrick H. muss passen, denn es gibt keine
Hose, die ihm passt. Das Interieur des Clubs wirkt dann zwar eher
bescheiden, doch bald wird klar, dass dies ein Ort ist, an welchem
die Geschäfte gemacht werden. Wir werden zum einen mit Bier
eingedeckt, zum anderen bekommen wir zwei blaue Poschtiseckli voll
mit diversen Sorten Guezli.
Greenys Liebling, die stockwerfende und händeringende Nummer 7,
kann zwar keine Auskunft darüber geben, was genau bei der „earcandling“-Prozedur
passiert und wofür sie gut ist, aber er verkündet stolz, dass alle
Lizenzen für diese Tätigkeit und für Massagesalons von ihm
vergeben würden. Nun kann man sich lebhaft vorstellen, mit wem und
in welchen Spelunken sich Stef, Coen (logisch!) und Konsorten den
Rest der Nacht um die Ohren schlagen. Sie meinen zwar zwischendurch,
ihren Führer verloren zu haben, doch sie finden ihn dann wieder in
Gesellschaft zweier netter Damen…die genaue Geschichte gibt’s
zum Beispiel bei Coen.
Mi,
27.10.08
Häppchen
aus Kultur, Sightseeing, Shopping:
Wer
früh genug aufsteht, geniesst das mit Abstand beste Frühstück
unserer Reise, bevor wir mit einem Bus zum Bahnhof Tampin fahren.
Stef hat für Tickets erster Klasse gesorgt, was wir alle sehr schätzen,
da der Zug auch so noch genug auf den Gleisen herumschwankt. Jaap
muss seinen Morgenschwumm verpasst haben, ihn hält bald nichts mehr
auf seinem Sitz und er springt wie ein nervöser Grashüpfer
zwischen der linken und der rechten Tür des Wagens hin und her, um
ja nichts von den Aussichten zu verpassen; er ist zu vertieft in
sein Trainsurfin’, um zu merken, dass bei jedem Seitenwechsel die
Schiebetür zum Wagen automatisch mit einem Höllenkrach auf- und
zuschiebt. Gut, Stef, der den vordersten Platz bezogen hat, merkt
davon nichts; er ist dermassen komatös, dass er in Embryostellung
in seinem Sitz pflaumt und wir übrigen von Jaap Wachgehaltenen uns
Sorgen machen, ob er je wieder gerade zu biegen sei. Wir trösten
uns über die Unbill mit der einen Hälfte der malaysischen Guezli
hinweg, sind dann allerdings froh, als dieser Trip zu Ende ist und
wir wieder im Golden Landmark in Singapur einchecken.
Match:
Das
Hockeyfeld, auf welchem wir gegen den Hollandse Club spielen, bildet
sozusagen Teil des Innenhofs einer grossen Sportanlage mit
Turnhallen. Dies lässt kaum Zirkulation der ohnehin schon trägen
feuchten Luftmassen zu. Carlos verspürt ein Ziehen im Bein und gibt
forfait, Greeny rückt als Eckenstopperin nach und wird von Andy G.
ebenfalls optimal bedient. Tim, ein Spieler des Singapore Cricket
Club, spielt bei uns mit, Patrick St., der uns auf den
Malacca-Ausflug nicht begleitet hat, ist nun auch dabei. Während
FH vorne herumdoktert, fahren die Oranjes gefährliche Konter und überrennen
Greeny und andere auch weniger rasche Spieler ab und zu
hoffnungslos; FH schiesst nicht ganz alle Tore, die geschossen
werden sollten; das kennen wir zwar aus den bisherigen Spielen, aber
bisher ist es nie so knapp geworden. Der Schlussstand, vom
allgemeinen Lichterlöschen erzwungen, ist 6 zu 5 für FH. Danach
treffen wir uns im Dempseys, wo Patrick St. zum MVP gekürt wird;
sein Kommentar: „Das chani jetzt nöd würkli naavollzie!“, können
wir verstehen, denn er kann ja nicht wissen, wie glücklich alle darüber
sind, dass endlich valable Spielansprachen geboten werden.
Essen
und Singapore by night:
Die
meisten werden wohl zwischen Zugsreise und Match zum Essen irgendwo
eingekehrt sein, beispielsweise arabisch in der Arab Street; der
Abend oben auf dem Hügel im Dempseys wird dann nämlich ziemlich
lang und die Nacht immer dunkler…
Do,
28.08.08
Häppchen
aus Kultur, Sightseeing, Shopping:
Ha,
endlich schaffen es die drei Frauen, einen gemeinsamen Shopping-Tag
zu verbringen, womit der Rest der FHs bestimmt nicht gelangweilt
werden will. Immerhin wird hierbei jedoch auch definitiv
entschieden, dass Patrick H. den Titel GBB oder MHP
verdient, den wir heimlich verleihen.
Gegen
Abend ziehen wir dann zum ersten Mal eines der sechs Anzugoutfits
an, welche wir gemäss Stefs Liste mitgenommen haben (nur um bisher
dann doch immer casual gekleidet zu bleiben).
Wir fahren zum Singapore Cricket Club, wo die Maseratis durch die
Einfahrt schweben wie im Buchlodrom die VW Golfs. Auf der Terrasse
werden wir von Surjit
sogleich mit Bier und dem klar formulierten Ziel, uns schon bald
besoffen sehen zu wollen, begrüsst.
Match:
Moment
mal, wir sind auch Sportler und wollen erst das Spiel hinter uns
bringen, bevor wir uns mit Surjits Ziel weiter befassen. Tim spielt
nochmals mit, Carlos ist wieder einsatzfähig, dafür memmelt
Patrick H. Nun gut, dem Spiel auf dem kurzen etwas klein geratenen
Naturrasen in Singapurs feuchter Hitze im Anzug zuschauen zu müssen,
ist Strafe genug.
FH marschiert auch heute erbarmungslos in Richtung Sieg, 5 zu 2 das
Verdikt. Six in a row!
Essen
und Singapore by night:
Gleich
nach dem Spiel startet Surjit einen weiteren Bierangriff, doch
endlich können wir uns in die Garderoben retten, wo wir mit
flauschigen Handtüchern, wunderbaren Rundumbrausen und weiteren
Annehmlichkeiten beglückt werden. Im oberen Stock des im
Kolonialstil erbauten Clubhauses treffen wir uns zum Apéro und
werden auch zum Abendessen eingeladen. Die drei Gerichte schmecken
bestens und man tut gut daran, Boden zu schaffen, um Surjits weitere
Attacken parieren zu können. Der SCC-Captain unterhält derweil den
ganzen Saal mit witzigen Ansprachen und ist Surjit treu zu Diensten:
Erst müssen alle SCC-Spieler, die nicht zum Spiel aber zum Essen
erschienen sind, zur Strafe Bier exen. Patrick St. wird dazu
verdonnert, ein undefinierbares, stark alkoholisches Mixgetränk zu
exen, weil er kurz vor Spielende mit dem ihm aus den Händen
gerutschten Stock einen Gegner verletzt hat. Surjit, das
Geburtstagskind, tritt gegen den vom FH-Captain nominierten Patrick
H. in der von Kindergeburtstagen bekannten Disziplin „Kuchen essen
ab Teller ohne Mithilfe von Händen und Werkzeug“ an; Sieger ist,
wer das hinterher zu leerende Bierglas
zuerst mit der Öffnung nach unten auf dem Kopf stehen hat. And the
winner is: Patrick H. Patrick St. nominiert zur nächsten Challenge
Andy G., Marion, Tim, Jaap und Coen. Sie treten gegen 5 SCC-Spieler
an und müssen einer nach dem/r anderen ein Bier exen und das leere
Glas auf dem Schädel deponieren. SCC ist bereits fertig, als bei
uns der dritte Trinker (sorry!) ansetzt. Ehrenhaft verloren, schade
gibt es keine Stilnoten, da wäre Coen allen weit voraus! Reinhard
bekommt vom SCC den Preis als bester Spieler auf dem Platz –
wahrlich als Einspringgoalie hat er sich wacker gehalten!
Die
Gespräche verschieben sich nun auf die Terrasse. Hier erfährt
Greeny, dass sie zum MVP des heutigen Spiels gewählt wurde
(Kommentar: „so lieb!“ und dann nichts mehr und Sprachlosigkeit
spricht Bände bei Greeny). Es ist eine herrliche Nacht, alle wirken
entspannt und glücklich! Um den Moment etwas zu verlängern,
verschiebt man sich noch einmal ins Insomnia (Chijmes), um das
Tanzbein zu schwingen oder zuzuschauen und zu plaudern. Die
Zweitletzten machen sich gegen 5 Uhr in der Früh auf den Weg ins
Hotel. Wie es den Letzten ergangen ist, weiss…Coen.
Fr,
29.08.08
Abreisetag
Letzte
Einkäufe werden getätigt,
man lässt sich massieren oder nimmt Abschied von Bekannten (Andy G.
und Carlos hatten in Singapur ein Spezialprogramm mit nächtlicher
Zoosafari absolviert, organisiert durch einheimische Freunde von
Andy), ein letztes Mahl am Boatquai, ein gescheiterter Versuch den
chinesischen Copy-Knirps unauffällig zu entsorgen, und schon ist es
Zeit, zum Flughafen zu fahren. Ein herrenlos herumstehendes blaues
Poschtiseckli sorgt für leichte Unruhe – eine Bombe? Nein! Wem
gehört es? All denen, die noch keine malaysischen Guezli gegessen
haben!
Am
Flughafen angekommen, stellen wir fest, dass sich unser Flug von
01.05 Uhr auf 03.35 Uhr verschiebt. Wir erhalten Vouchers und dümpeln
damit im Flughafengebäude herum, kaufen mit den letzten Singis, die
wir haben, alle möglichen undefinierbaren Snacks, die sich dann
samt und sonders als für europäische Gaumen ungeniessbar entpuppen
und schliesslich lümmeln wir gemeinsam in einer Bar herum. Roli
nutzt die Gelegenheit, den Wochensieger und ultimativen MVP zu beglückwünschen,
Andy G., der diesen Titel wahrlich verdient hat mit seinen
Rettungsaktionen in der Verteidigung und seinen Impulsen im Angriff.
Er bekommt das von vielen heiss begehrte Miniaturclubhaus des SCC
als Trophäe.
Vizecaptain Carlos beschenkt den umsichtigen Organisator Stef mit
edlen Zigarren; Roli dagegen darf, als Headcoach und glänzender
Statistiker, den Malacca-Wimpel entgegen nehmen, bevor er sich in
einen der ohne Kopfstütze ausgerüsteten Sessel setzt und in ihm
ein sehenswerter Kampf zwischen Schlaf- und Wachzustand entbrennt.
Ja
und dann, fast einen Tag später, können wir unsere Lieben wieder
in die Arme nehmen und überlegen bereits, welchen Tribut wir zollen
müssen, um nächstes Jahr mit nach Australien fliegen zu dürfen.
Diana
B.
Transfer
Pudong-Shanghai-Center: Warum nicht mit der Magnetschwebebahn,
die uns angeblich in sieben Minuten in die Stadt bringen würde,
sondern mit einem Bus, bei dem man nicht sicher ist, ob die
Scheiben so dreckig sind, oder der Smog draussen so dicht
(Fahrtzeit fast eine Stunde)?
Recherchen haben allerdings ergeben, dass niemand aus der
Grossgruppe im bei den Shanghaiern wirklich angesagten Lokal Sin
tien di (Tipp von einer local; wenn man’s so ausspricht findet
es der Shanghaier Taxifahrer) gewesen ist.
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